Die energetische und denkmalgerechte Sanierung des Schlosses Königswartha
Unter Leitung des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) werden die Einzelbauwerke aus unterschiedlichen Epochen abschnittsweise grundhaft bis Ende 2026 saniert.
Die Liegenschaft des Sächsischen Kompetenzzentrums für nachhaltige Landwirtschaft, Fischerei und Klima im Lausitzer Revier besteht aus einem denkmalgeschützten Ensemble mit Schloss aus dem 18. Jahrhundert, Futterscheune und Orangerie sowie einem Wohnheim für auszubildende Binnenfischer. Neben der Anpassung der Bauteilgrundrisse an aktuelle Bedürfnisse des Nutzers sind auch gesetzliche Forderungen und vor allem denkmalgerechte Aspekte bei der Baumaßnahme zu berücksichtigen.
Abb. 1, 2: Bauteil Schloss (Südseite mit Hörsaal im Obergeschoss), unsanierte, Holzbalkendecke in der zukünftigen RLT-Zentrale im Dachraum
Darüber hinaus soll mit dem Einsatz regenerativer Energien, eine Vorbildwirkung der zum Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) erzielt werden. Neben einer Photovoltaik-Anlage, welche den Eigenverbrauch der Liegenschaft unterstützt, wurde eine geothermisch betriebene Wärmepumpe zur Grundlastunterstützung der Wärmeerzeugung installiert.
Das Projekt ist ferner Teil des „Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG)“ und wird vollständig aus dem „Strukturentwicklungsfond Sächsische Braunkohleregion“ gefördert sowie aus Steuermitteln des Sächsischen Haushalts mitfinanziert.
Wenn 225 Fledermäuse im Projekt mitbestimmen
Das ILK Dresden wurde von der Niederlassung Bautzen des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement im Rahmen eines Wettbewerbs mit der Neuplanung der sanitär-, heizungs- und raumlufttechnischen Anlagen sowie der Gebäudeautomation und der geothermischen Anlage beauftragt. Im Zuge der umfangreichen Sanierungsarbeiten und des Einbaus einer Klimaanlage im historischen Dachgeschoss des Schlosses war eine der größten Herausforderungen, der Erhalt der Breitflügelfledermaus-Wochenstuben in Sachsen. Die Kolonie dieser Fledermaus-Art zählt zu den größten in Sachsen.
Abb. 3: Herstellen einer Geothermie-Erdbohrung, Abtäufen eines Doppel-Rohrbündels, Druckprobe und Verpressen einer Sonde
Abb. 4: Zwei neue RLT-Geräte werden bei Abwesenheit der Fledermäuse in die restaurierte Dachstuhlkonstruktion passgenau eingebaut.
Leider gibt es keine verbindlichen Anforderungen zur Raumakustik derartiger „Wohnstätten“ fliegender Mitbewohner. Das ILK Dresden wurde daher beauftragt, im Altbestand eine Schallmessung an den raumlufttechnischen Bestandsanlagen durchzuführen, um den Ausgangszustand zu dokumentieren und als Grenzwert zu dokumentieren. Nach Abschluss der Baumaßnahme und der Inbetriebnahme der RLT-Anlagen erfolgt eine weitere Messung zum Nachweis der Einhaltung dieser Grenzwerte des Schalldruckpegels. Als weitere Herausforderung erweist sich, dass Arbeiten an Dächern und im Dachraum nur außerhalb der Wochenstubenzeiten der Fledermäuse, d. h. zwischen etwa September und April durchgeführt werden dürfen. Leider orientieren sich Fledertiere mit dem Ein- und Auszug aus dem Sommerquartier eher nicht am gregorianischen Kalender, so dass gewisse Abläufe bei der Termindisposition von allen Beteiligten sehr flexibel gestaltet werden müssen.
Alter Ballsaal mit neuer Raumluftkonditionierung und luftdurchlässigen Akustikwänden
Der ehemalige Ballsaal des Schlosses wird auch nach der Sanierung als Hörsaal, Schulungs- und Vortragsraum genutzt, erhält aber zur Verbesserung der Behaglichkeit erstmalig eine Möglichkeit zur Raumluftkonditionierung über luftdurchlässige Akustikwände. Da für derartige Quellluftauslässe keine standardisierten Auslegungsunterlagen verfügbar sind, wurde das ILK Dresden mit der Prüfung des Lüftungskonzepts beauftragt. Dabei waren Zuführung der Luft über die Rückwand, Verteilung der Luft in der Quellluftwand für eine gleichmäßige impulsarme Ausströmung sowie akustische Anforderungen an unterschiedlichen Musterelementen für den Kühlfall zu untersuchen.
Abb. 5, 6, 7: offene Rückwand eines Akustikpaneels, Druckverlustmessung am Kammerprüfstand, Laservisualisierung
An einem Kammerprüfstand wurden Druckverlustkennlinien der Elemente ermittelt. Die strömungstechnischen Untersuchungen wurden im thermisch ausgeglichenen Hallraum durchgeführt und mit einem Laser visualisiert.
Mit der Erweiterung des Leistungsspektrums bietet das Planungsbüro des ILK Dresden seinen Auftraggebenden einen zusätzlichen Mehrwert. Sämtliche erforderlichen Mess-, Simulations- und Planungsleistungen der Technischen Gebäudeausrüstung können aus einer Hand erbracht werden – von der ersten Machbarkeitsstudie über die Planung und Umsetzung bis hin zur Gewährleistungsverfolgung.
Über das Projekt berichtet auch der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) in der aktuellen Ausgabe 01/2026 seines Magazins, mit dem Mitarbeitende und Öffentlichkeit über ausgewählte Bauvorhaben informiert werden. Das Projektteam der SIB betont darin, dass sich ein derart anspruchsvolles Vorhaben – einschließlich des Schutzes von 225 Breitflügelfledermäusen – nur durch eine faire, partnerschaftliche und konstruktive Zusammenarbeit erfolgreich realisieren lässt. Ihr treffendes Fazit: „Das ganze Orchester führen.“