Elektrik im Kältekreislauf
In Kältekreisläufen sind elektrische Komponenten besonderen Umgebungsbedingungen ausgesetzt. Zusätzlich zu den normalen elektrischen Belastungen wirken Druckschwankungen, Temperaturzyklen und chemische Einflussfaktoren auf die Bauteile ein. Unter diesen Bedingungen sollen die Komponenten möglichst Jahrzehnte störungsfrei arbeiten, ohne dass eine Wartung möglich wäre. Die Isolationssysteme von Klimakompressoren wie der Drahtlack, die Leiter-Erde-Isolierung oder Kunststoffe an den elektrischen Durchführungen unterliegen durch immer weiter steigende Betriebsspannungen und kurze Anstiegszeiten der Impulse von Frequenzumrichtern zunehmenden elektrischen Belastung. Details dazu finden sich beispielsweise in dieser GAMBICA-Publikation. Das ILK Dresden verfügt über langjährige Erfahrungen bei der Untersuchung der Einflüsse von Kältemitteln und Kältemaschinenölen auf Elastomere und Kunststoffe unter typischen Kältekreislaufbedingungen (mehr dazu hier). Darüber hinaus werden Messungen zur Bestimmung der elektrischen Eigenschaften von Kältemaschinenölen und Kältemitteln durchgeführt (mehr dazu hier). Der steigenden Nachfrage nach Untersuchungen möglicher Schädigungspotentiale der Kältekreisfluide auf elektrische Komponenten folgend, wurden am ILK komplexe Untersuchungsmethoden entwickelt und in neue Messtechnik eingeführten. In den meisten Fällen von Belastungsuntersuchungen ist es erforderlich, das Verhalten von Prüflingen über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu simulieren. Um diese Ergebnisse in vertretbaren Zeiträumen zu erzielen, werden Verfahren der beschleunigten Alterung angewandt. Die zu untersuchenden Komponenten werden erhöhten Temperaturen, Spannungen oder chemischen Konzentrationen ausgesetzt, elektrische Impulse werden verkürzt oder es werden mechanische Belastungen aufgeprägten. Auch definierte elektrische oder mechanische Vorschädigungen kommen zur Anwendung. Die thermo-chemische Alterung elektrischer Komponenten erfolgt normalerweise in Autoklaven. In diesen Spezialbehältern können Temperaturen bis 200 °C und Drücke bis 100 bar eingestellt werden. Gleichfalls können Temperaturrampen und Druckschwankungen aufgeprägt werden. Dabei kann ein Prüflingen wahlweise der gasförmigen Kältemittelatmosphäre, flüssigem Kältemittel, einem Öl-Kältemittel-Gemisch oder anderen Substanzen, gegenüber denen das Alterungsverhalten überprüft werden soll, ausgesetzt werden. Die gleichzeitige thermo-chemisch, elektrische Alterung erfolgt entweder in den original Verdichtergehäusen oder in speziellen Autoklaven.
Untersuchungsmethoden
- Mikroskopische Begutachtung,
- 60kanalige Hochspannungsprüfvorrichtung mit kurzen Spannungsanstiegszeiten (Spannungsspitzen bis 1500 V, typische Impuls-Anstiegszeiten 200 - 400 ns),
- Stoßspannungsgenerator für die Diagnose von Statorwicklungen, bei Bedarf in Kombination mit Teilentladungsmessungen,
- Bestimmung von Durchschlagspannungen bis 12 kV Wechselspannung,
- Messung des Isolationswiderstandes von elektrischen Komponenten in geschlossenen Systemen mit Öl und Kältemittel,
- 18kanaliger Hochspannungsmultiplexer für automatisierte Langzeitmessungen mit freier Konfigurierbarkeit von Messzeit (z.B. 60 s), Zeitauflösung (z.B. 1 s), Wiederholrate (z.B. eine Messung täglich) in Kombination mit einem automatischen Umschalter zwischen Messphase und Hochspannungs-Belastungsphase,
- Teilentladungsmessung bei wiederkehrenden Spannungsimpulsen mit kurzen Anstiegszeiten oder bei Wechselspannung mittels zweier Detektoren:
- einer schmalbandigen UHF-Antenne, oder
- einer aktiven schmalbandigen Koppeldrahschleife.
- Hochspannungs-Impulsgenerator mit variabler Spannung (bis 2000 V), Frequenz (bis 50 kHz), Pulsdauer, Wellenform, Polarität und Anstiegsdauer (bis hinunter auf 50 ns),
- Impedanzspektroskopie zur Messung dielektrischer Eigenschaften.
Ölimprägnierung
Vorschädigung durch Teilentladungen
Pinholes
Teilentladungsfestigkeit im Vergleich
Statistische Auswertung
Visuelle Bewertung
Alternative zur Durchschlagprüfung
Komplexe Alterung von Drahttwisten